Katzen Barf-naturnahe Katzenernährung

 

Alternative Futtermittel bzw. Ernährungsformen Barf

Unter dem Begriff BARF wird die Fütterung mit Rohfutter, bestehend überwiegend aus Fleisch und in geringerem Anteil pflanzlichen Bestandteile und ggf. Supplementen bezeichnet. BARF steht als Akronym für Biologically appropriate raw food, was im Deutschen mit dem Backronym „Biologisches Artgerechtes Rohes Futter“ übersetzt wurde. 


Es ist vermutlich überflüssig, darauf einzugehen, wie wichtig eine gute Ernährung für Katzen ist und dass auch die besten Anlagen einer Katze allein nicht viel nützen, wenn auf Dauer wichtige Nährstoffe fehlen oder die Katze einseitig ernährt wird. Für mich ist Ernährung in der Katzenhaltung und natürlich auch im Hinblick auf die Zucht ein ganz  wesentlicher Punkt und wer einmal erlebt hat, wie eine Katze sich verändert, wenn sie anders ernährt wird, der wird diesem Punkt ähnlich viel Bedeutung beimessen.

Wird Futter von schlechter Qualität verfüttert, weil es billiger ist, ist das auch oft am falschen Ende gespart, da es nicht selten im Laufe eines Katzenlebens zu hohen Tierarztrechnungen führen kann. Erwiesenermaßen sind viele gängige Krankheiten unserer Hauskatzen auf Ernährungsfehler zurückzuführen.

Nun bietet ja aber der Markt reichlich Katzenfutter an und viele Katzenhalter sind überzeugt davon, ihren Lieblingen damit Gutes zu tun. Ist das so? Ich gehe im folgenden zunächst auf verschiedene Fertigfutter und ihre Vor- und Nachteile ein und zeige anschließend Fütterungs-Alternativen.


 

Grundlagen zur Rohfütterung

von Bess Hajós, Lucina Maine Coon Cattery, www.lucina-cats.de 
 
 
Diese kleine Abhandlung über das Rohfüttern von Katzen ist entstanden, weil ich immer wieder gefragt werde: „Ich möchte meine Katzen auch roh füttern. Was muss ich beachten?“ Das ist natürlich nicht mit zwei Sätzen gesagt und wer seine Katzen ausschließlich roh ernähren möchte, muss sich wirklich in den Ernährungsbedarf von Katzen einarbeiten. Viele Katzenbesitzer möchten aber einfach nur ihrer Katze etwas frische Nahrung bieten und sich nicht gleich ausgiebig mit Katzenernährung auseinandersetzen. Dieses Bedürfnis finde ich verständlich und möchte ihm auf diesem Weg ein bisschen nachkommen. Deswegen stelle ich hier möglichst kurz und knapp die wichtigsten Dinge, die man wissen sollte, dar und habe auch einige Rezepte zusammengestellt, die mit recht einfachen Mitteln zu verwirklichen sind. Dabei lag mein Augenmerk darauf, dass die Rezepte für einen „normalen Katzenhaushalt“ mit z.B. zwei Katzen verwirklichbar (also keine Kilo-Rezepte, wenn doch Katzi nur 80 g in einer Mahlzeit frisst und nur einmal am Tag roh gefüttert werden soll) und die Zutaten einfach zu beschaffen sind (d.h. im Supermarkt käufliches Fleisch).  Auch der Preis des Fleisches spielt bei meinen Ausführungen eine Rolle. Natürlich ist es besser qualitativ hochwertiges Fleisch (am besten Biofleisch) zu kaufen, aber ich glaube nicht daran, dass viele Katzenbesitzer das tun werden. Von daher gebe ich auch den einen oder anderen Tipp, wo was gekauft werden kann und günstig ist. Ziel ist auch, dass Sie ohne Feinwaage auskommen. Das ist allerdings nur zu erreichen, wenn Sie sich in dem „Internet-Shop meiner Wahl“ einen bestimmten Messlöffel kaufen (der kostet ganze 99 Cent). Fast alle Supplemente, die benötigt werden, wurden von mir so abgestimmt, dass sie ebenfalls in diesem Shop gekauft werden können, d.h. eine Bestellung, einmal Versandkosten, bis alles aufgebraucht ist. Es soll EINFACH UND VERWIRKLICHBAR sein, denn Katzen haben nichts von hochtrabenden Ausführungen, die kaum jemand befolgen kann. 
 Ich möchte aber noch mal ausdrücklich betonen, dass dieser Leitfaden NICHT FÜR DIE AUSSCHLIEßLICHE Rohfütterung gedacht ist, sondern davon ausgeht, dass maximal ein Drittel (d.h. eine von drei Mahlzeiten pro Tag - das halte ich nebenbei für eine sehr gute Mischung) aus Rohfutter besteht. 
 Und natürlich bin auch ich letztendlich absoluter Laie und dieses Script kann Fehler enthalten. Ich habe mich zwar viel mit der Katzenernährung, dem Bedarf an Nährstoffen und den Nährstoffen in verschiedenen Nahrungsmitteln auseinandergesetzt, aber das garantiert leider nicht, dass alles, was hier steht, richtig ist.  Vieles ist noch gar nicht erforscht, bei einigen Nahrungsmitteln sind kaum Quellen über die Inhaltstoffe zu finden und mir steht leider kein Labor zur Verfügung. Aber trotz möglicher Fehler bin ich überzeugt davon, dass die Rohfütterung der Gesundheit der Katzen sehr zuträglich ist.
Fertigfutter aus der Dose und/oder Trockenfutter ist einfach absolut denaturiert und stellen Sie sich doch einfach vor, Sie würden nur Essen aus der Dose (und sei es auch noch so ausgewogen) bekommen. 

Einiges Grundsätzliches: 
 
Rohfutter und Fertigfutter sollte nicht gemischt werden. Viele Katzen vertragen das nicht und Rohfutter wird schneller verdaut. Das ist auch gut so, denn deswegen haben diverse Bakterien, Salmonellen etc. kaum Zeit anzugreifen. Andernfalls würde die Katze ja auch kaum (mit selten keimfreien) Mäusen als natürlicher Nahrung klar kommen. Wird jetzt aber diese natürliche schnelle aggressive Verdauung der Katze durch Fertigfutter verlangsamt, kann dieser natürliche Schutzmechanismus eventuell lahm gelegt werden. Deshalb immer ein paar Stunden Zeit zwischen einer Mahlzeit aus Fertigfutter und einer Rohfleischmahlzeit lassen. 
 
 
Apropos Mahlzeiten: 
 
Ich gehe hier davon aus, dass die Katzen zwei- bis dreimal am Tag gefüttert werden. Das bedeutet einigermaßen feste Fütterungszeiten (wobei es auf ein, zwei Stunden hin oder her bei einer erwachsenen Katze nicht ankommt) und nicht ständig herumstehendes (Trocken-)Futter. Falls Sie Trockenfutter füttern und dieses der Katze, wie es dann ja üblich ist, zur freien Verfügung hinstellen, werden Sie vermutlich Probleme haben, die Katze auf Rohfütterung umzustellen. Sollten Sie es dennoch aus irgendwelchen Gründen so machen wollen, empfehle ich, das Trockenfutter mindestens drei Stunden vor der Rohmahlzeit wegzunehmen und es auch erst drei Stunden nach der Rohmahlzeit wieder zur Verfügung zu stellen (Grund siehe oben). Eine Anmerkung sei mir zu der verbreiteten Technik, der Katze ständig Trockenfutter zur freien Verfügung hinzustellen, noch erlaubt: Der Katzenforscher Paul Leyhausen hat dazu ein eindeutiges Statement, das ich voll unterstütze: Wer seiner Katze ständig Futter zur freien Verfügung (und dann auch noch immer dasselbe) hinstellt, nimmt ihr ein beträchtliches Stück Lebensfreude. Ist ja auch irgendwie logisch, wenn man drüber nachdenkt. Stellen Sie sich vor, sie hätten permanent Pillen vor sich stehen, die in optimaler Zusammensetzung ihre Nahrungsbedürfnisse sicherstellen, die aber immer gleich schmecken und bekämen ansonsten nichts mehr zu essen. Wie langweilig wäre das? Würde da nicht was im Leben fehlen? Die Freude auf ein leckeres Mahl, auch mal eine Zeit Appetit und Hunger spüren und sich dann freuen, wenn es endlich was gibt. Die Fresszeiten sind bei meinen Katzen auch ein Highlight des Tages. Da schnurren mir sämtliche Miezen um die Beine, da wird gequiekt und gequakt, auch mal gefaucht, da ist richtig was los. 
 
 
Die „Macken“ der Katzen: Neophobie: Katzenbesitzer kennen es. Die Fellknödel können einen ganz schön auf die Palme bringen. Was ist nun gemeint mit Neophobie? 

 „Was ich nicht kenn, fresse ich nicht“ sagt mein Kater Merlin dazu. Er ist das beste Beispiel für Neophobie, denn es hat ein komplettes Jahr gebraucht, um den Dickschädel davon zu überzeugen, dass rohes Fleisch fressbar ist.  Keine Angst, er ist ein Extrem-Beispiel. Bei den meisten Katzen geht es viel schneller und viele fressen auch auf Anhieb Rohes. Aber immer wieder steht man davor: Man probiert mal eine neue Fleischsorte und schon schauen einen die Miezen entrüstet an, was da denn nu im Futternapf liegt. BITTE GEBEN SIE DANN NICHT GLEICH AUF !!! Was heute und morgen nicht gefressen wird, wird dann aber übermorgen vielleicht angenommen. Es liegt einfach in der Natur der meisten Katzen, dass sie lieber das fressen, was sie kennen und wovon sie wissen, dass sie es gut vertragen. Das heißt aber noch lange nicht, dass es das ist, was für sie am Gesündesten ist. Es ist einfach nur das, woran sie gewöhnt sind. UND ES LIEGT IN UNSERER VERANTWORTUNG, WORAN SIE GEWÖHNT SIND ! Wenn Kitten nach der Entwöhnung von der Muttermilch mit Fertigfutter aufgezogen werden, ist es das, was sie kennen. Werden sie mit Rohfleisch aufgezogen, ist es eben Rohfleisch. Ist es beides, dann ist es wohl ideal, denn dann sind sie flexibel. Die Neophobie macht es also oft schwer, eine Katze an ein neues Futter zu gewöhnen. Aber sie ist überwindbar und der Witz ist, dass, ist sie mal überwunden, oft das „alte Futter“ komplett verweigert wird. Wir haben die Katze also „umkonditioniert“.  Hierfür wieder ein Beispiel aus dem echten Leben: Meine Mia habe ich einjährig als reine Trockenfutterkatze bekommen. Sie kannte so gut, wie nichts anderes. Sie ließ sich einigermaßen leicht auf Rohfutter umstellen und nun…verweigert sie Trockenfutter. Von daher sind die Aussagen wie „Rohfütterung ist ja toll, aber meine Katze frisst nur Trockenfutter“ eigentlich nichts anderes als Zeugnisse davon, dass der Katzenbesitzer nicht durchgehalten hat (was ich gut verstehe, denn es kostet eine Menge Kraft!). Wenn Sie mit Rohfütterung anfangen möchten, ist eines unerlässlich: SIE MÜSSEN ÜBERZEUGT DAVON SEIN ! Sind Sie es nicht, wird ihre Katze sie vermutlich dazu bringen, nach einer Weile und einigen Kilo teuer bezahltem Fleisch, das verschmäht in der Mülltonne landet, wieder aufzugeben. Nur wenn Sie überzeugt sind, werden Sie auch Ihre Katze überzeugen. Wenn Sie ihre Katze umstellen möchten, bleiben Sie beharrlich. Wenn eine Rohfleischmahlzeit angesagt ist, gibt es nix anderes. Wenn Mieze das nicht frisst, frisst sie diesmal eben gar nix. Allerdings sollten Sie eine Katze nie länger als maximal 12 Stunden hungern lassen. Also rechtzeitig wieder gewohntes Futter anbieten und am nächsten Tag einen neuen Versuch starten. Weitere Möglichkeiten sind für eine zeitlang das gewohnte (Dosen-)Futter mit Rohfleisch zu mischen. Ist zwar nicht optimal, aber für die Umgewöhnung vielleicht akzeptabel, oder mit dem Fleisch „zu spielen“. Rindfleisch wird hier z.B. irgendwie nur dann gefressen, wenn es durch die Küche fliegt. Im Napf ist es bähbäh, aber wenn ich Fleischstücke werfe, dann finden das die Katzis toll und fressen es auch. Katzen „klauen“ auch gerne. Lassen Sie also durchaus mal ein Stück Fleisch „aus Versehen“ fallen.

Und noch ne Miezen-Macke: Futterwechselmechanismus: Was ist das denn nun wieder? Dem einen oder anderen Katzenbesitzer wird folgendes vertraut sein:  Jahr und Tag wird eine bestimmte Sorte Futter gern gefressen. Und dann – von einem auf den anderen Tag – ist genau dieses Futter absolut bähbäh !  Dafür wird nun ausgerechnet die Dosensorte, die doch vor drei Monaten noch das allerletzte war, plötzlich mit Freude genommen. Daraus ergibt sich schon mal: Wenn Sie mal eine Dosensorte kaufen, die ihre Fellnasen nicht mögen, packen Sie diese einfach ganz hinten in den Schrank. Eines Tages ist genau diese Sorte vielleicht plötzlich angesagt. Was genau der Futterwechselmechanismus ist, ist noch nicht so ganz erforscht. Biologen vermuten, dass dieser „Instinkt“ dazu dient, den Organismus für notwendige Futterwechsel (wenn die Natur plötzlich nicht mehr das bietet, was zuvor gefressen wurde) flexibel zu halten. Flexibel halten ist hier auch das richtige Stichwort: Flexibilität ist für mich die Lösung, um gegen Neophobie und Futterwechselmechanismus anzugehen. Je flexibler ich meine Katzen halte, um so weniger habe ich damit zu tun. Leider ist das „flexibel halten“ aber auch am Mühsamsten für den Katzenhalter. Aber man gewöhnt sich daran. Wenn hier plötzlich mal Rinderherz nicht mehr angesagt ist, wird es noch einmal ausprobiert und wenn dann immer noch der Napf voll bleibt, ist Rinderherz erstmal für mindestens einen Monat vom Speiseplan gestrichen. Wird es dann nach vier bis sechs Wochen wieder angeboten, wird es meist heißhungrig verschlungen, weil jetzt ist dann mal grade Huhn voll out. Die Quintessenz: Nein, es gibt nicht DAS Rezept, das dann ewig gefüttert werden kann, sondern es sollte so viel Abwechslung wie möglich in den Futterplan. Gleichzeitig schützt eine größtmögliche Abwechslung auch davor, durch Einseitigkeit Überversorgung oder Mangel an bestimmten Nährstoffen zu erzeugen.   Rohfütterung – Grundlagen, die man wissen sollte:  Die natürliche Nahrung der Katze ist das kleine Beutetier (Mäuse, Vögel, Ratten, Fische, Eichhörnchen, Kaninchen etc.). Dieses besteht aus Fleisch, Innereien, Knochen, Sehnen, Fell/Federn, Blut, Wasser und einem ganz geringen Anteil pflanzlichen Stoffen (Mageninhalt). Dieses Beutetier im Futter „nachzubauen“ ist das Ziel.  Grundlage des Futters ist also Fleisch. Hier können im Grunde alle Fleischsorten verfüttert werden.  Schweinefleisch ist mit Vorsicht zu genießen, da es den aujeszkyschen Virus übertragen kann, das für Katzen tödlich ist. Deutschland gilt zwar mittlerweile als 90% aujeszkyfrei, aber Schweinefleisch roh zu füttern, würde ich nur empfehlen, wenn man die Herkunft des Fleisches kennt, bzw. der Quelle sehr vertraut. Abkochen tötet den Virus zuverlässig. Alle anderen Fleischsorten können roh verfüttert werden, z.B. Huhn, Pute, Ente, Gans, Rind, Kalb, Lamm,  Hase, Kaninchen, Pferd. Ab und an kann und sollte für die Versorgung mit den wertvollen OmegaFettsäuren roher Fisch (oder auch mal andere Meeresfrüchte) gegeben werden. Darüber hinaus ist Fisch für die Vitamin D Versorgung wichtig. Zuviel Fisch ist allerdings auch wieder nicht gut (wie alles im Übermaß), da viele Fischsorten Thiaminase (Abbau von Vitaminen) verursachen. Lachs bietet sich als thiaminasefreier fetter Fisch besonders an. Ich kaufe hier tiefgekühlten Wildlachs (von Aldi), der von den Katzen sehr gern genommen wird. Ab und an gibt’s auch mal andere Fischsorten. Je mehr Abwechslung es gibt, desto besser. Natürlich wird die Auswahl meist ein bisschen vom Preis des Fleisches eingegrenzt. Es lohnt sich bei den teureren Fleischsorten nach Angeboten Ausschau zu halten. (Lammfleisch gibt es übrigens beim Türken oft recht günstig). Abwechslung bedeutet auch, nicht immer die gleichen Teile der Tiere zu verfüttern. Also nicht immer nur Schenkel oder immer nur Bug. Viele Menschen denken, mageres Fleisch sei besser für die Katze. Diese Meinung kommt wohl unter anderem aus der Hundefütterung. Aber Katzen sind nun mal keine kleinen Hunde. Katzen brauchen relativ viel Fett. Je nachdem, was für ein Fleisch wir füttern, muss Fett zugegeben werden. Einige Fleischsorten enthalten genug Fett, viele sind für Katzen aber zu mager.  Der optimale Fettgehalt für eine Katze liegt bei ca. 10%.  Wenn Sie also Fleisch für Ihre Katze kaufen, dann kaufen sie möglichst durchwachsenes Fleisch (das ja netterweise dann meist auch günstiger ist) und lassen sie bei Huhn und Pute die Haut dran. Fettarme Fleischsorten können durch Fettzugabe wie Schweineschmalz (ideal, weil es viel Arachidonsäure enthält, die die Katze nicht selbst herstellen kann), Gänseschmalz, Rindertalg oder Butter ergänzt werden. Auch hier gilt: Die Fleischsorten abwechseln!!! Nur Huhn mit Haut zu verfüttern, weil es fett genug ist, macht keinen Sinn. Dies würde z.B. das OmegaFettsäuren-Verhältnis stören und die Katze hätte über kurz oder lang vermutlich einen Mangel an Arachidonsäure. Besser ist also, immer abwechselnd verschiedene Fleischsorten zu füttern und den mageren Sorten (Huhn und Pute ohne Haut, Kaninchen, Hase, Pferd und mageres Rindfleisch) Fett zuzugeben. Ab und an können natürlich auch Sorten mit zu hohem Fettgehalt (Gans, Ente, sowie Lamm-, Rinder- oder Schweinefleisch mit über 10% Fett) gefüttert werden und damit eine andere Mahlzeit, die etwas zu mager war, ausgeglichen werden.  Ein weiterer Anteil des Futters sollte aus Innereien bestehen. Sie sind vitaminreich und netterweise sehr günstig. Hier bieten sich vor allem Rinderherz und Innereien von Geflügel an. Es dürfen natürlich auch Innereien von anderen Tieren sein, aber Kaninchen-, Lamm- oder Pferdeherz ist meist nicht ganz so einfach zu bekommen. Wenn Sie eine Quelle dafür finden, prima! Herz kann ruhig viel gefüttert werden, andere Innereien (Mägen, Nieren etc.) sollten 10% des Futters nicht übersteigen, noch vorsichtiger muss man mit Leber sein, da sie viel Vitamin A enthält und es hier leicht zu einer Überversorgung, die für die Katze gefährlich ist, kommen kann. Leber sollte maximal 5% der Gesamtfuttermenge ausmachen.   Nun kommen wir zu den Knochen und damit zu dem wichtigen CalciumPhosphor-Verhältnis:     

6 Calcium-Phosphor-Verhältnis:  Das Ca-P-Verhältnis stellt die erste zentrale Herausforderung  beim Rohfüttern dar. Es ist für Katzen sehr wichtig, dass dieses Verhältnis ausgewogen ist. Das Beutetier besteht ja nicht nur aus Fleisch, sondern eben auch aus Knochen. Wenn wir nun kein Beutetier verfüttern, sondern reines Fleisch, haben wir ein Futter mit einem deutlichen Phosphor-Überhang gegenüber dem Calciumgehalt. Das bedeutet, wir müssen entweder Fleisch mit Knochen füttern, oder Calcium in irgendeiner Form zuführen. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, die am besten abgewechselt werden sollten (je vielfältiger wir füttern, um so eher schließen wir Mangel und/oder Überversorgung durch Einseitigkeit aus). Vier der Möglichkeiten (es gibt noch mehr) möchte ich kurz darstellen:  1.) Zugabe von Calciumcarbonat: 2.) Zugabe von Knochenmehl 3.) Zugabe von gemahlenen Eierschalen 4.) Knochen füttern  Calciumcarbonat und Knochenmehl können in Pulverform erworben werden. Sie werden mit dem Fleisch vermischt. Wenn es sich um gewolftes Fleisch (Hack) handelt, ist das natürlich überhaupt kein Problem. Möchte man Fleischbrocken füttern (was die meisten Katzen lieber mögen und was auch für die Zahnpflege von Vorteil ist, da sie dann kauen müssen und die Beläge abreiben), muss man die Brocken sozusagen „panieren“. Dazu feuchtet man das Fleisch einfach mit Wasser an, bestreut es dann mit dem Calciumcarbonat oder Knochenmehl und vermischt alles. Gemahlene (zermörserte) Eierschale kann ebenfalls prima untergemischt werden, allerdings sollte sie recht fein gemahlen/gemörsert sein. Am natürlichsten ist die Fütterung von Fleisch mit Knochen. Aber auch hier muss natürlich auf das richtige Verhältnis geschaut werden. Ein Huhn hat einen viel höheren Knochenanteil als eine Maus. Die Knochen können sowohl gewolft gegeben werden als auch ganz bzw. in Stücken (zum Zerknipsen von Hühnerknochen tut eine Gartenschere sehr gute Dienste!). Insbesondere, wenn die Katze noch nicht daran gewöhnt ist, würde ich empfehlen, ihr den Anfang leichter zu machen und die Knochen etwas zu zerkleinern. Später kann man ihr dann vielleicht einen ganzen Hühnerflügel geben, aber ich habe einige Katzen, die das immer noch nicht können oder wollen und die Knochen nur zerkleinert (ca. 4 x 4 cm Brocken) fressen. Es ist nun weder ideal, NUR mit Knochen zu füttern, noch ist es ideal, NUR mit Calciumcarbonat oder Eierschalen zu supplementieren. Nur mit Knochen zu füttern, kann zu Verstopfung und Knochenkot (steinharte, helle Würstchen) führen. Darüber hinaus kann übermäßige Knochenfütterung zu einer Überversorgung an Calcium und Phosphor führen, die den Mineralhaushalt der Katze durcheinander bringt. Nur mit Calciumcarbonat zu füttern, kann auf Dauer leicht einen PhosphorMangel auslösen (insbesondere bei Jungtieren und trächtigen und säugenden Katzen, die einen höheren Bedarf haben). Darüber hinaus steht Calciumcarbonat im Verdacht, bei zu großen Mengen einen zu alkalischen Urin zu verursachen, was Harnsteine auslösen kann. Nur mit Eierschale zu supplementieren, kann ebenfalls einen Mangel hervorrufen, da Eierschalen nicht so viele Mineralstoffe und Spurenelemente enthalten wie Knochen. 

Wer nicht mit Knochen füttern möchte, sollte dann auf jeden Fall zwischen Eierschalen, Calciumcarbonat und Knochenmehl abwechseln. Ideal ist, alle Arten der Calcium-Supplementierung zu kombinieren, bzw. abzuwechseln. 
 
Damit haben wir den Mangel an Knochen ausgeglichen. Was fehlt noch? Ein offensichtlicher Unterschied zwischen reinem Fleisch, wie man es gewöhnlich zu kaufen bekommt und dem Beutetier ist, dass das Beutetier blutig ist, während Schlachttiere ausgeblutet werden. Ohne das Blut (und insbesondere dann, wenn auch keine Knochen gefüttert werden) entsteht ein falsches Natrium-Kalium-Verhältnis. Um dieses wieder ins Gleichgewicht zu bringen, muss bei Fütterung mit Knochen etwas Salz und bei Fütterung ohne Knochen doppelt so viel Salz zugegeben werden. Das ist sehr wichtig, da Natrium und Kalium, zusammen mit Chlorid den Wasserhaushalt regeln. Sie sind verantwortlich dafür, dass Nährstoffe in die Zellen und Abfallstoffe aus den Zellen hinausbefördert werden (osmotischer Druck).  Wir können ganz gewöhnliches Kochsalz (NaCl) geben. Empfehlenswert ist hier Jodsalz, denn auch Katzen brauchen Jod.  Natürlich bieten sich auch Natursalze, die reich an wertvollen Mineralien sind, an. Ich persönlich verwende für meine Katzen eine Mischung aus Himalaya-KristallSalz, Meersalz und Jodsalz (jeweils zu einem Drittel). 
 
Haben wir das Beutetier nun nachgebaut? Ja, bis auf den Mageninhalt schon. Den vernachlässige ich hier mal, da dieser Leitfaden ja nicht für 100% Barfen geschrieben ist und wenn man noch Fertigfutter gibt, braucht man sich nicht um die 3-5% pflanzlichen Anteil kümmern. Das Gleiche gilt für Fell/Federn. Solange auch noch Fertigfutter gefüttert wird, ist die Zuführung von Ballaststoffen nicht nötig. 
 
Es gibt allerdings noch einen wesentlichen Unterschied zwischen dem Beutetier, wie es die Katze in der Natur frisst und unserem „nachgebauten Futter“. Das Fleisch, das wir unserer Katze geben, wird vermutlich konventionell aufgezogenes Vieh sein, das einen Weg über Schlachthof, Lagerung, Einfrieren etc. gemacht hat und dieses ist vom Vitamingehalt nicht mehr mit dem frisch gefangenen Wildtier zu vergleichen. Von daher können wir uns nicht darauf verlassen, dass noch genügend Vitamine im Fleisch vorhanden sind, um den Bedarf der Katze zu decken. Und auch das Omega-Fettsäuren-Verhältnis von  Nutztieren, die meist viel oder sogar ausschließlich mit Getreide gefüttert werde, ist ein anderes, als das von Wildtieren. Deshalb sind noch ein paar Kunstgriffe nötig, um dies auszugleichen. 
 
 
Vitamine: 
 
Es gibt wasser- und fettlösliche Vitamine. Ungenutzte Mengen der fettlöslichen Vitamine werden im Körper in Fettdepots gespeichert werden, während bei den wasserlöslichen Überschüsse vom Körper wieder ausgeschieden werden.  Aus diesem Unterschied ergibt sich schon, dass bei den fettlöslichen Vitaminen viel sorgfältiger auf eine etwaige Überdosierung geschaut werden muss, da sie bei Überdosierung schädlich wirken können. 
Aber auch die wasserlöslichen Vitamine sollten nicht einfach überdosiert werden, nach dem Motto: Genug ist gut und mehr ist besser, sondern möglichst in richtigen Mengen gegeben werden. Weiterhin erklärt dieser Unterschied, warum die fettlöslichen Vitamine nicht täglich zugeführt werden müssen, während bei den wasserlöslichen eine regelmäßige Zufuhr wichtig ist, da sonst schnell ein Mangel entstehen kann. 
 
Zu den fettlöslichen Vitaminen gehören: A, D, E, K Alle anderen sind wasserlöslich. 
 
Eine wichtige Rolle spielen für die Katze die B-Vitamine. Sie sind für viele Funktionen des Stoffwechsels essentiell. Enthalten sind B-Vitamine u. a. (ich zähle hier nur die für die Katzenfütterung interessanten Nahrungsmittel auf) in Innereien, Fleisch, Eigelb, Milch und Milchprodukten und Hefe. Als natürlicher Vitamin-B-Zusatz zum Katzenfutter bietet sich Bierhefe an, insbesondere auch deshalb, da Katzen sie sehr gerne fressen und so manches Futter, das nicht ganz den Geschmack der Miezen trifft, wird mit Hefezugabe dann plötzlich doch noch gefressen. Ein halber Teelöffel übers Katzenfutter täglich bildet eine gute Basis für die Vitamin-B-Versorgung. Auch Hefeflocken können verwendet werden. Sie sind bei Katzen ebenfalls sehr beliebt. Milch und Milchprodukte werden von vielen Katzen nicht gut vertragen. Wenn die Katze es verträgt, ist gegen eine gelegentliche Gabe von etwas Quark, Hüttenkäse oder ähnlichem natürlich auch nichts einzuwenden. Ob sie einen größeren Nutzen für die Katze haben, lasse ich mal dahingestellt. Ich gebe meinen Katzen keine Milchprodukte. Ab und zu ein Eigelb zu geben ist sinnvoll, insofern nicht Eintagsküken verfüttert werden, die bereits Eigelb enthalten. Eigelb enthält neben den B-Vitaminen auch wertvolles Protein und Fett. Eventuell kann und sollte – wenn der Rohfutter-Anteil an der Gesamtfuttermenge höher wird, ab und zu ein Vitamin-B-Komplex-Präparat gegeben werden. Für das Teilbarfen (mit maximal einem Drittel Rohfutter-Anteil) sollte die Supplementierung mit Hefe aber genügen, wenn auch Innereien gefüttert werden. 
 
Vitamin C können Katzen selbst synthetisieren und eine zusätzliche Gabe kann den Urin ansäuern und damit die Bildung von Oxalatsteinen begünstigen. Von daher sollte hier von Vitaminzusätzen abgesehen werden. 
 
 
Die fettlöslichen Vitamine: 
 
Vitamin A: Für Katzen ist nur das aus tierischen Quellen stammende Retinol interessant. Sie sind nicht in der Lage Beta-Carotin, das in Pflanzen enthalten ist und vom menschlichen Organismus zu Vitamin A synthetisiert werden kann, umzuwandeln. Retinol findet sich vor allem in Leber. Auch Eier, Butter und Käse enthalten Retinol, allerdings in wesentlich geringerem Maße. Leber ist also eine hervorragende Quelle für Vitamin A. Aber: Wir erinnern uns daran, dass Vitamin A zu den fettlöslichen Vitaminen gehört und dementsprechend leicht überdosiert werden
kann. Das ist für Katzen sehr gefährlich !!! Der Anteil von Leber an der Gesamtfuttermenge sollte bei ca. 3% liegen, maximal bei 5%. Wird ein Vitaminpräparat gegeben, sollte hier insbesondere auf die Menge von Vitamin A geachtet werden. Es empfiehlt sich hier, wenn man nicht anfangen möchte Bedarfstabellen und Inhaltsstoffe zu vergleichen und zu berechnen, Vitaminpräparate für Katzen zu wählen und sich an die Herstellerdosierung zu halten. Darüber hinaus empfehle ich, an Tagen, an denen Leber gefüttert wird, auf eine zusätzliche Supplementierung mit einem Vitamin A reichen Präparat zu verzichten. 

 
 
Vitamin D: Auch hier ist für Katzen das aus tierischen Quellen stammende Vitamin D3 interessant. Es kommt insbesondere in Eigelb, Fisch, Fleisch und Leber vor. 
 
 
Vitamin E: Für Katzen interessant ist das Alpha-Tocopherol. Vitamin E sollte zugeführt werden. Es kommt in pflanzlichen Nahrungsmitteln vor, die wir der Katze nicht füttern. 
 
 
Bei allen Supplementen sollte man bedenken, dass Organismen unterschiedlich arbeiten. Man kann nicht von Hund auf Katze oder von Mensch auf Katze schließen. Ein zugeführter Nährstoff  kann z.B. vielleicht vom Menschen oder Hund wunderbar aufgenommen werden, während Katzen damit gar nichts anfangen können – nicht, weil sie diesen Nährstoff nicht brauchen, sondern weil er vielleicht in einer für sie nicht zugänglichen Form vorliegt. Das bedeutet, die Bioverfügbarkeit muss beachtet werden. Nun gibt es leider keine Tabelle, in der für alle Nährmittel, Vitamine, Mineralien etc. die Bioverfügbarkeit für Katzen beschrieben ist und vieles hierbei wird vermutlich noch gar nicht erforscht sein. Insgesamt liegt man wohl am besten, wenn man versucht, das Futter samt der nötigen Zusätze möglichst aus tierischen Quellen zusammen zu stellen. Hier ist für die Katze als Carnivore (Beutetierfresser) die Chance, dass die Nährstoffe für sie verfügbar sind, am größten. Wenn also dem Futter Fett zugesetzt werden soll, sind tierische Fette (z.B. Schweineschmalz, Gänseschmalz, Fischöle) den pflanzlichen Fetten (Margarine, pflanzliche Öle) vorzuziehen. 
 
Diese Aussage ist jetzt allerdings etwas pauschal und manche Barfer werden hier aufschreien, da die Versorgung mit Omega-Fettsäuren und deren richtiges Verhältnis zueinander die Zufuhr von pflanzlichem Öl (sehr geeignet ist hier Nachtkerzenöl) nötig macht. Dies liegt aber auch wieder daran, dass das gefütterte Fleisch vorwiegend aus konventionell aufgezogenen Nutztieren stammt, die durch ausgiebige Getreidefütterung ein gänzlich anderes Omega-Fettsäuren-Verhältnis aufweisen als Wildtiere. Aber hier gehen wir zu sehr ins Detail… 
 
N
achdem der Leser jetzt vermutlich einigermaßen verwirrt ist und sich fragt, wie er das alles auf die Reihe bekommen soll, kommt die Erleichterung:

Alles, was bis jetzt geschrieben wurde, diente nur dazu, ein grundsätzliches Verständnis zu schaffen, warum es wichtig ist, es einigermaßen genau zu nehmen und nicht der Katze einfach nur irgendwelches Fleisch vorzuwerfen. Wie gesagt ist es mein Anliegen, eine teilweise Rohfütterung leicht verwirklichbar zu machen. Deshalb folgen jetzt einige Rezepte. Allerdings sind diese so aufgebaut, dass sie dann funktionieren, wenn man sie abwechselnd benutzt. Eines auszuwählen und auf Dauer einzusetzen, führt tatsächlich zu Einseitigkeit und birgt die Gefahr von Mangel und/oder Überversorgung einzelner Nährstoffe. Im Anschluss an die Rezepte folgt noch ein „Baukasten“, der es recht leicht macht, sich selbst Rezepte zu bauen. 


 


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